Schutz vor Schwermetall- Belastung des Grundwassers

Altlastensanierung an der Bergehalde Beythal in Düren

30 Jahre nach Ende des Erzabbaus im Tagebau „Maubacher Bleiberg“ im Kreis Düren sickerte mit Schwermetallen belastetes Wasser aus dem ehemaligen Absetzbecken mit Aufbereitungsrückständen und vergiftete die Becken einer Forellenzucht. Nach der ersten Gefahrenabwehr werden nun das Sanierungskonzept für die Bergehalde Beythal fortentwickelt und Maßnahmen zur Sanierung umgesetzt. Die wichtigsten Punkte sind die fortgesetzte Reinigung des Sickerwassers und die Eindämmung des Schadstoff-Austritts an der Halde.

Projektübersicht

Dass am Rand des Nationalparks Eifel

einst Zinkblende und Bleiglanz im Tagebau „Maubacher Bleiberg“ gewonnen wurden, daran konnten sich nur alte Hürtgenwalder noch dunkel erinnern. Bereits 1969 endete die kaum 20-jährige Bergbau-Geschichte im Südwesten des Kreises Düren. Geblieben ist lediglich die rund 45 Hektar große Bergehalde Beythal, die sich zwischen den Ortschaften Gey und Berzbuir als bewaldete Anhöhe harmonisch in die Landschaft einfügt. Der künstliche Hügel, der noch unter Bergaufsicht steht, entstand zwischen 1955 und 1969 als Absetzbecken mit Randdämmen, in dem Flotationsrückstände aus der Blei- und Zinkerzaufbereitung deponiert wurden. Diese enthielten erstens große Mengen Quarzsand, der noch bis 2002 nach entsprechender Rückgewinnung für die Herstellung von Kalksandsteinen genutzt wurde. Zweitens enthalten die Flotationsrückstände aber auch Blei und Zink sowie – in geringerem Maße – Nickel, Kobalt und Kupfer.

Diese Schadstoffe waren im Wasser enthalten,

das aus dem Fuß der Halde sickerte - gelangten so 1999 in die Becken einer Forellenzucht und vergifteten dort den Fischbestand. Der Betreiber versuchte sich zunächst selbst zu helfen, errichtete eine Horizontaldrainage, in der austretende Wässer gefasst und über eine Rohrleitung direkt in den Beybach geleitet wurden. Bei einer routinemäßigen Kontrolle des Zuchtbetriebs bemerkte das Staatliche Umweltamt Aachen dieses Provisorium, unterband die weitere Einleitung des schwermetallhaltigen Sickerwassers ins Fließgewässer und veranlasste als Sofortmaßnahme ein Hochpumpen des Sickerwassers auf die Bergehalde.

Die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr

setzte zunächst die Bezirksregierung Arnsberg als zuständige Bergbehörde fort, nachdem der Betreiber des Erz-Tagebaus, die Stolberger Zink GmbH & Co. Forsten KG, 2008 aus dem Handelsregister gelöscht war. Mittlerweile hat der AAV die Trägerschaft für das Projekt übernommen. Der Verband schloss mit der Bezirksregierung Arnsberg und dem Kreis Düren einen öffentlich-rechtlichen Vertrag über …

… Fortführung und Optimierung der Reinigung und Ableitung des belasteten Sickerwassers,

… ergänzende Standortuntersuchungen und die Fortführung des Grundwassermonitorings,

… die Erstellung eines Sanierungsplans und

… die Durchführung der erforderlichen Sanierungsmaßnahmen.

Für die Reinigung des Sickerwassers

nutzt der AAV eine Aufbereitungsanlage der nahe gelegenen Deponie Horm, die von der Dürener Deponiegesellschaft GmbH nicht mehr benötigt wurde. Nach entsprechender Anpassung gelingt im Probedauerbetrieb die Fällung und Flockung der Schwermetalle bereits sehr gut. Nach weiterer Optimierung soll künftig mit einem Online-System kontinuierlich die Belastung mit Zink und Nickel im Zu- und Ablauf gemessen werden, so dass sich die Dosierung des Schwermetallfällers konzentrationsabhängig steuern lässt.

In den Lendersdorfer Mühlenteich

sollen die gereinigten Sickerwässer künftig geleitet werden, mit dem Bau einer entsprechenden Rohrleitung wurde begonnen. Einstweilen pumpt man das Wasser weiterhin zur Bergehalde Beythal zurück, wo es auf dem Haldenplateau versickert.

Die Freisetzung der Schadstoffe zu reduzieren,

ist ein weiteres Ziel der Sanierung. Das zentrale Problem ist, dass mit Niederschlagswasser Sauerstoff in den Haldenkörper gelangt. So kommt es zu einer Pyrit-Oxidation, durch die Säuren entstehen, die ihrerseits die Mobilisierung von Schwermetallen verstärken. So schwindet mehr und mehr die Pufferkapazität der Halde. Wie sich die drohende Versauerung unterbinden oder zumindest reduzieren lässt, ließ die Bezirksregierung Arnsberg in den Jahren 2014 und 2015 bei einem Feldversuch testen.

Das bewährte Hausmittel „Natron“

zeigte dabei eine gute Wirkung: Natriumhydrogenkarbonat, gelöst in Haldenwasser, wurde wiederholt in zwei 15 Meter tiefe Injektionsbrunnen im Zustrom einer Messstellengruppe im Haldenzentrum eingebracht. Die Messung der Säurekapazität und die im Rahmen des fortlaufenden Grundwasser-Monitorings angestiegene Hydrogenkarbonatkonzentration bestätigen die Wirksamkeit des Mittels.

Das Ziel der Sanierung

ist ein stabiler Endzustand: Der Wasserhaushalt der Bergehalde muss dafür so eingestellt sein, dass von ihr erstens keine Gefahr mehr für das Grundwasser ausgeht. Und zweitens müssen Art und Menge des zu reinigenden Sickerwassers ein Niveau erreichen, das einen unter Kostengesichtspunkten optimierten langfristigen Betrieb der Sickerwasserfassung ermöglicht.