AAV und Stadt Duisburg stemmen mehrjähriges Großprojekt

Altlastensanierung in mehr als 300 Hausgärten

Wie misst und bewertet man Bodenbelastungen, die sich über mehrere Stadtviertel einer Großstadt verteilen? Wie stimmt man notwendige Sanierungsmaßnahmen mit Hunderten unterschiedlicher Grundstückseigentümer ab? Und wie erstellt man einen Sanierungsplan für Hunderte unterschiedlich belastete Gärten? Gemeinsam meistern die Stadt Duisburg und der AAV diese enorme Herausforderung, ein erster Sanierungsabschnitt ist bereits erfolgreich abgeschlossen.

Projektübersicht

Den blauen Himmel über dem Ruhrgebiet

gibt es zwar seit den späten 1980er-Jahren wieder – die industriellen Staub-Emissionen der vorangegangenen Jahrzehnte jedoch wirken in Form von Bodenverunreinigungen bis heute nach. Gemeinsam mit der Stadt Duisburg nahm der AAV hier ein auf mehrere Jahre angelegtes Großprojekt in Angriff: die Sanierung  von mehr als 300 Hausgärten.

Die großflächigen Bodenverunreinigungen

mit Blei, Cadmium, weiteren Schwermetallen und mit Arsen kartiert das Amt für Umwelt und Grün der Stadt Duisburg bereits seit vielen Jahren systematisch. Für mehr als ein Zehntel des gesamten Stadtgebiets, rund 25 Quadratkilometer, wurden so 15 Areale mit unterschiedlich hohen Belastungen ausgewiesen. Besonders stark verunreinigt sind die Böden in den Stadtteilen Wanheim-Angerhausen und Hüttenheim. Nicht nur Industrie- und Gewerbeflächen, sondern auch zahlreiche Wohngärten sind hier mit Schwermetallen belastet.

Die Vielzahl der Gärten

in diesen Stadtteilen stellte den AAV und die Stadt Duisburg vor erhebliche Herausforderungen. In 552 Gärten von Wanheim-Angerhausen und in 161 weiteren Gärten Hüttenheims wurden in einer ersten Untersuchungskampagne gemäß den Vorgaben der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung Proben entnommen und auf Schwermetalle untersucht.

Einheitliche Bewertungsmaßstäbe

für die Gefährdungsabschätzung galt es zu schaffen, um damit den Handlungsbedarf ermitteln und festlegen zu können. Eine Arbeitsgruppe aus Fachbehörden der Stadt Duisburg, dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MULNV), dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) sowie der Bezirksregierung Düsseldorf entwickelte dafür ein speziell auf das Gebiet der Stadt Duisburg bezogenes Bewertungssystem. Für dieses System wurden für die relevanten Parameter Arsen, Blei und Cadmium untere und obere gebietsbezogene Beurteilungswerte abgeleitet. Diese ermöglichen nun die grundstücksspezifische Feststellung des Maßnahmenbedarfs.

Das Ergebnis dieser Gefährdungsabschätzung:

Rund 320 Gärten gilt es auf unterschiedliche Arten zu sanieren. Entsprechend der Höhe der Bodenbelastung wurden sie vier unterschiedlichen Kategorien zugeordnet; die Bandbreite der Sanierungsmaßnahmen reicht von einer Verdichtung der Vegetation bis hin zum Bodenaustausch. Natürlich kann die Sanierung von mehr als 300 Gärten nur in unterschiedlichen, zeitlich und räumlich getrennten Abschnitten erfolgen. Deshalb wurden während der Sanierungsuntersuchung als Grundlage für die weitere Bearbeitung zwölf Zonen mit unterschiedlich starken Belastungen festgesetzt.

Die Öffentlichkeitsarbeit und die Information der Bürger

war die zweite große Herausforderung bei diesem Projekt: Jeder betroffene Grundstücks-eigentümer erhielt einen Sanierungsvorschlag mit Erläuterungen zu den vorgesehenen Maßnahmen. In Bürgersprechstunden und per Telefon gingen Verantwortliche auf Bedenken und Fragen ein. Zudem gewährleistet ein Arbeitskreis interessierter Eigentümer die Berücksichtigung unterschiedlicher Interessen und Meinungen. Das hohe Maß an Transparenz und die vielfältigen Möglichkeiten zur Mitsprache führten zu einem raschen Erfolg: Für mehr als 80 % der zu sanierenden Grundstücke gibt es bereits positive Rückmeldungen; zudem gelang es trotz des enormen Umfangs der nötigen Abstimmungen mit Eigentümern, die Sanierungsuntersuchung innerhalb von nur zwei Jahren abzuschließen.

Möglichst zügig

werden nun auch die Sanierungsmaßnahmen selbst umgesetzt, damit für die betroffenen Hobbygärtner der unerfreuliche Warte-Zustand zwischen der Feststellung einer Belastung auf der eigenen Scholle und der Sanierung der Gärten rasch beendet ist. Deshalb zog der AAV für den ersten, besonders hoch belasteten Teilabschnitt die Ausführungsplanung vor und führte diese noch während der laufenden Sanierungsuntersuchung durch. Bereits 2016 konnte deshalb der Bodenaustausch in der Sanierungszone V sowie im Evangelischen Familienzentrum Duisburg-Wanheim abgeschlossen werden.

Die Wohnanlage eines Katholischen Arbeitervereins mit 39 Einzelgärten

liegt in der Sanierungszone V. Dr. Roland Arnz, Geschäftsführer des AAV, und Dr. Ralf Krumpholz, Umweltdezernent der Stadt Duisburg, eröffneten hier mit dem ersten Spatenstich im August 2016 bei strahlendem Sonnenschein die Bauphase des Projekts. Da das trockene Wetter anhielt, war der Bodenaustausch im nördlichen Baufeld bereits im Oktober beendet, so dass die Eigentümer noch vor dem Winter den frisch aufgebrachten Boden mit Rollrasen schützen konnten. Im südlichen Baufeld dauerten die Arbeiten, da die Witterung ungünstiger war, etwas länger, waren aber noch vor der nächsten Gartensaison abgeschlossen.

Rund 7.800 Tonnen belasteter Boden

wurden zur Zentraldeponie Emscherbruch in Herten verbracht und durch Ackerboden aus einer Neubaumaßnahme ersetzt, der die strengen Anforderungen an die chemische und physikalische Bodenqualität einhält.

In mühevoller Handarbeit

erfolgte ein Teil des Bodenaustauschs: Um den Charakter der Gesamtanlage so weit wie möglich zu erhalten, wurden große und wertvolle Bäume nicht gefällt, sondern mit Schaufeln und per Absaugung von belastetem Boden im Wurzelbereich befreit. Um die Regeneration der Bäume zu fördern, erhielten sie im Austausch ein spezielles Baumsubstrat.

In drei Planungs- und Bauabschnitten erfolgt bis 2019

der Bodenaustausch in weiteren Sanierungszonen. Parallel schreiten die Arbeiten in den Zonen I und VIII-XII voran, in denen weniger intensive Eingriffe nötig sind. Noch 2018 sollen hier die Maßnahmen zur Vegetationsverdichtung und Abdeckung abgeschlossen sein.