Ein neues Stück Natur im Wuppertaler Süden

Ehemaliger Galvanikstandort in Wuppertal

In ein Landschaftsschutzgebiet mit besonders geschützten Biotopen ragte der ehemalige Galvanik-Standort, den der AAV in Wuppertal-Cronenberg sanierte. Bei den Arbeiten im südlichsten Bezirk der 160.000-Einwohner-Stadt stand die Gefahrenabwehr im Vordergrund, denn im Untergrund des geschlossenen Betriebs gelangten Schadstoffe, darunter Chrom VI, ins Grundwasser. Nach ihrer Sanierung und Renaturierung bereichert diese Fläche heute wieder die natürliche Vielfalt im Landschaftsschutzgebiet.

Projektübersicht

Eine ganz besondere Herausforderung

war dieses Projekt für das Expertenteam des AAV und für alle beauftragten Unternehmen. Natürlich hat jede Altlastensanierung ihre Besonderheiten, in Wuppertal-Cronenberg jedoch galt es mehr Hindernisse aus dem Weg zu räumen als üblich. Es gab keine geeignete Zufahrt für Lkw und Bagger, so dass ein separater Verladeplatz, eine Baustraße und eine Behelfsbrücke über den Kaltenbach errichtet werden mussten.

Zusätzlich spielte der Naturschutz eine wichtige Rolle,

denn der alte Produktionsstandort nahm nur einen kleinen Teil der gesamten Sanierungsfläche ein – der bei weitem größere Teil lag in einem Landschaftsschutzgebiet. Unbeschadet durch die Verunreinigungen in der Tiefe hatten sich hier kleinräumige Biotoptypen mit hoher Struktur- und Artenvielfalt erhalten. Deshalb bezog der AAV schon sehr früh die Biologische Station Mittlere Wupper ein, die während der gesamten Maßnahme die artenschutzrechtliche Baubegleitung gewährleistete. Grundlage war ein artenschutzrechtlicher Fachbeitrag der ortskundigen Naturschützer, der eine Reihe von Vermeidungs- und Ausgleichsmaßnahmen festschrieb. Dazu gehörte unter anderem die Suche nach Fortpflanzungs- und Ruhestätten von Fledermäusen in ehemaligen Betriebsgebäuden und in Bäumen. Noch vor der Winterruhe verschloss man im Bereich der künftigen Baustraße potenzielle Fledermausquartiere wie zum Beispiel Baumhöhlen. So mussten sich die fliegenden Säugetiere zwar neue Schlafstellen suchen, wurden dafür aber nicht während der Baumaßnahmen jäh aus ihrem Winterschlaf gerissen. Mit Rücksicht auf Vögel verzichtete man während deren Brutzeit auf Rückschnitt und Rodung. Zudem siedelten die Naturschützer Blindschleichen, Ringelnattern und weitere Reptilien sowie Amphibien aus dem zukünftigen Baufeld um und verhinderten durch eine entsprechende Wanderbarriere die vorzeitige Rückkehr der Tiere. Auch eine Schleiereule hatte ihr festes Quartier in dem Sanierungsgebiet. Ihr wurde ein alternativer Schlafplatz angeboten.

Ebenfalls etwas außergewöhnlich

war der unmittelbare Beginn der Sanierungsplanungen gleich nach der Werkschließung. Ein Grund dafür: Das Unternehmen gab hier seinen alten Standort zu Gunsten einer neuen, moderneren und größeren Produktionsstätte in Wuppertal auf und brachte sich auch finanziell in erheblichem Umfang in die Sanierung ein.

Das vorrangige Ziel der Sanierung war es,

einen weiteren Schadstoffeintrag ins Grund- und Oberflächenwasser zu verhindern. Da sowohl in der alten Bausubstanz als auch im Boden vor allem Chrom VI, Nickel, Zink und Fluorid sowie LHKW und PFT stellenweise in hohen Konzentrationen nachgewiesen wurden, war ein kompletter Rückbau der Gebäude und ein Austausch des Bodens bis in neun Meter Tiefe nötig.

Nur knapp einen Monat

lang dauerte der Rückbau des Betriebsgebäudes, Ende Juli 2010 waren 434 Tonnen kontaminierter Bauschutt fachgerecht entsorgt. Anfang 2011 begann der weit aufwendigere Bodenaustausch. Dazu gehörte auch der Rückbau von versiegelten Flächen, Fundamenten und einer Abwasserbehandlungsanlage. Bis auf den blanken Fels gruben sich die Bagger stellenweise neun Meter in die Tiefe und luden insgesamt 18.750 Tonnen kontaminierten Boden auf Lastwagen. Aufgefüllt wurde mit nachweislich unbelastetem Material, das bei Ausschachtungsarbeiten für Neubauten in Wuppertal angefallen war.

Da das Gelände stark abschüssig ist,

galt es nun, die sofortige Erosion des noch nackten Bodens zu verhindern. Erstens wurde bei der Neuprofilierung des Geländes ein geringeres Gefälle als zuvor angelegt. Zweitens wurde eine bindige Deckschicht aus Hanglehm aufgebracht. Und drittens  sorgten Erosionsschutzmatten dafür, dass der Boden nicht lange nackt blieb, denn auf ihnen waren genau die Gräser und weitere Magerwiesenpflanzen eingesät, die bereits vor dem Beginn der Arbeiten hier heimisch waren.

Im Rahmen der weiteren Renaturierung und Rekultivierung

wurden Steinhaufen und südexponierte Totholzwälle als Rückzugsmöglichkeiten für Insekten, Amphibien und Reptilien errichtet. So fanden die Tiere nach ihrer Rückkehr attraktive Unterschlupfmöglichkeiten vor, die ihnen zudem reiche Nahrung bieten. Denn auch Insekten hatten sich die Fläche rasch zurückerobert. Auch die Fledermäuse kehrten zurück und gehen jetzt wieder nachts auf die Jagd.

Zwei Jahre nach der Sanierung

beauftragte der AAV die Biologische Station mit einer Effizienzkontrolle – mit erfreulichem Ergebnis. So hatte die Flächenentsiegelung die Grünlandfläche deutlich vergrößert, und es entstand ein Biotopkomplex aus Offenland, Waldrand und halboffenen, Gebüsch-geprägten Übergangsbereichen. Auf dem nun wieder strukturreichen Areal mit feuchten und trockenen, mageren und nährstoffreichen Bereichen gibt es eine große Arten-Vielfalt: Reptilien und Amphibien haben die Fläche zurückerobert und es fanden sich sogar einige Schmetterlings- und Heuschreckenarten, die zuvor nicht auf dieser Fläche heimisch waren. Lediglich die Schleiereule verschmähte den angebotenen Ersatzschlafplatz.

Die Bereicherung der Biotop- und Artenvielfalt

am Rande des Landschaftsschutzgebiets wurde mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln erreicht: Die Kosten für sämtliche artschutzrechtlichen Maßnahmen machten nur etwa 10 % der gesamten Sanierungskosten aus.